EFDA

About EFDA

Organisation

JET Implementing Agreement

Europe participates!

JET und die Schweiz

 

Die Schweiz ist an der Fusionsforschung mit dem europäischen Gemeinschaftsexperiment JET (Joint European Torus) in Culham, Grossbritannien, aktiv beteiligt. In Zusammenarbeit mit Kollegen der europäischen Staaten und anderen Ländern, die am gemeinsamen, von Euratom koordinierten Programm beteiligt sind, erforschen Experten aus der Schweiz die Kernverschmelzung als sichere, saubere und nahezu unerschöpfliche Energiequelle für kommende Generationen.

Die Fusion ist die Energiequelle von Sonne und Sternen. Um Fusionsenergie auf der Erde freizusetzen, muss ein Plasma (ein vollständig ionisiertes Gas) auf extrem hohe Temperaturen aufgeheizt werden. JET ist eines von mehreren Fusionsexperimenten weltweit, mit denen Physiker und Ingenieure Plasmen mit Temperaturen von mehreren hundert Millionen Grad erzeugen, einschliessen und untersuchen.

JET ist die weltweit grösste Fusionsanlage und die einzige, die mit dem späteren Brennstoffgemisch Deuterium-Tritium experimentieren kann. JET hält den Weltrekord von 16 Megawatt erzeugter Fusionsleistung. Die Anlage ist ideal zum Testen von speziellen, für den Reaktorbau benötigten Materialien, sowie von Heiz- und Diagnostikeinrichtungen unter realistischen Fusionsbedingungen.

Das wissenschaftliche Programm von JET und die Beiträge der europäischen Fusionsforschung im Allgemeinen werden von EFDA (European Fusion Development Agreement) koordiniert.

Seit 1979 nimmt die Schweiz als vollwertiges Mitglied am europäischen Forschungprogramm teil, das die Entwicklung eines Kernfusionsreaktors zum Ziel hat, und seit 1999 ist sie Mitglied der EFDA. Innerhalb der Schweiz ist das Centre de Recherches en Physique des Plasmas (CRPP) der ETH-L (Eidgenössische Technische Hochschule Lausanne) mit der Durchführung dieses Forschungsprogramms betraut. Das CRPP ist seit 1961 in der Forschung auf dem Gebiet der Plasmaphysik tätig und widmet sich seit 1979 ganz besonders der kontrollierten Kernfusion. Im Oktober 1994 wurde die Forschungsgruppe in Fusionstechnologie des PSI (Paul Scherrer Institut, Villigen) ans CRPP angegliedert und somit zu seiner "Zweigniederlassung". Seither ist die auf die Fusion ausgerichtete Forschung der "Association Euratom-Confédération Suisse" am CRPP vereinigt. Mehr Information finden Sie auf der Website http://crppwww.epfl.ch/.

Das CRPP ist Bestandteil der Fakultät für Grundlagenwissenschaften der ETH-L. Seine Hauptaufgaben ergeben sich aus seiner Stellung als nationales Kompetenzzentrum für Plasmaphysik. Neben Lehre und Grundlagenforschung auf dem Gebiet der Plasmaphysik ist dies vor allem die Entwicklung der kontrollierten Kernfusion im Rahmen des europäischen Forschungsprogramms (Association Euratom-Confédération Suisse). Der Tokamak des CRPP, TCV (Tokamak à Configuration Variable) ist die grösste experimentelle Installation der ETH-L.

Das TCV Forschungsprogramm hat zum Ziel, die Betriebsgrenzen des Tokamaks auszudehnen, indem in bisher unerforschten Parameterbereichen nach Arbeitsbedingungen mit verbesserter Leistung und Effizienz gesucht wird (längere Energieeinschlusszeiten, Verbesserungen im Verhältnis zwischen thermischer und magnetischer Energie). In systematischen experimentellen und theoretischen Untersuchungen werden Methoden zur Herstellung von Plasmen mit elongiertem (vertikal gestrecktem) Querschnitt erarbeitet. Im Laufe der Experimente konnte eine Vielfalt verschiedener Plasmaformen hergestellt und die Vielseitigkeit der Maschine unter Beweis gestellt werden. Ausserdem befasst sich ein in der Welt einzigartiges Programm mit einer Methode basierend auf Elektron-Zyklotron-Wellen, mit deren Hilfe das Plasma zusätzlich zum Plasmastrom geheizt werden kann.

In Anerkennung seiner Kompetenz auf diesem Gebiet, ist das CRPP europäisches Testzentrum für auf ECRH basierende Heizmethoden geworden. Die Installation besteht aus einem 170 GHz Gyrotron von 2MW Leistung, einer Mikrowellen-Uebertragungsleitung und einer Eichlast. Im Uebrigen beschäftigt sich das CRPP mit einer Spezialstudie zur Entwicklung eines Prototyps einer Mikrowellen-Emissionsantenne für ITER.

Die Assoziation Euratom – Schweiz arbeitet aktiv an den experimentellen Kampagnen auf JET mit. Das CRPP spielte beispielsweise die Hauptrolle in der Fabrikation der beiden TAE Antennen, wovon eine bereits im Torus von JET installiert ist. Diese Antennen werden mithelfen, die Physik der im Reaktor durch Alphateilchen erzeugten Instabilitäten besser zu verstehen und damit die Fähigkeit, das Verhalten eines brennenden Plasmas vorherzusagen und zu kontrollieren, erhöhen.

Die Gruppe Fusionstechnologie in der Zweigniederlassung des CRPP am PSI befasst sich mit Supraleitern und anderen Materialien, die für den Bau von zukünftigen Grossanlagen, wie z.B. für das internationale Projekt ITER, gebraucht werden. Mit SULTAN, der Testanlage für Supraleiter am PSI, werden heute alle für ITER entwickelten Kabel getestet. Darüber hinaus werden auch die sogenannten Hochtemperatur-Supraleiter auf ihre Tauglichkeit für einen eventuellen Einsatz als Stromzuführungen für ITER untersucht. Im Rahmen der Umweltaspekte der Fusion arbeitet das CRPP mit der Industrie an der Entwicklung von ferritisch-martensitischen Stählen und Titanlegierungen, die eine schwache Restaktivität besitzen.

Mit SULTAN besitzt das CRPP eine weltweit einzigartige Installation zur Untersuchung und Charakterisierung der für ITER vorgesehenen supraleitfähigen Kabel.

Im Hinblick auf die Zukunft bereitet die schweizerische Assoziation auch die Forschung auf einer erwiterten Basis vor, indem sie sich gemeinsam mit Europa an IFMIF (International Fusion Materials Irradiation Facility) beteiligt. Es handelt sich hier um eine Anlage zur Untersuchung der Eignung von strukturellen Materialien für Fusionsreaktoren. In diesem Umfeld sind auch Verbesserungen des japanischen Tokamaks vorgesehen, sowie ein internationales Rechenzentrum zur Analyse der einst mit ITER gewonnenen experimentellen Resultate.

Die herausragenden Ergebnisse von JET zusammen mit der Expertise, die durch die gemeinsame Nutzung der Anlage gewonnen wurde, ermöglichen Europa eine Schlüsselrolle bei der Planung der grösseren, weltweit finanzierten Anlage ITER, die hohe Fusionsleistungen von 500 bis 700 Megawatt erzeugen soll. Die Fusionsforschung ist eine der bedeutenden und viel versprechenden wissenschaftlichen Unternehmungen der Schweiz und ihrer Experten.

JET's Control Room

Mitarbeiter unterschiedlichster Nationalitäten arbeiten im JET-Kontrollraum

 

Split view of Torus

Das geteilte Bild zeigt das Innere des Plasmagefässes von JET sowie das Plasma

 

Der Tokamak TCV ist das grösste Experiment der ETH-L. Plasmaströme von über einem MW können während einiger Sekunden erzeugt werden. Die grosse Flexibilität des Geräts erlaubt es, Plasmen mit sehr verschiedenartigen Querschnitten zu untersuchen, was zur Einzigartikeit dieses Tokamaks beiträgt.

 

Plasma-Heizsystem von TCV: 6 Gyrotrone von 83 GHz und drei von 118 GHz, die zusammen eine Leistung von 4,5 MW erzeugen.

 

Mit SULTAN besitzt das CRPP eine weltweit einzigartige Installation zur Untersuchung und Charakterisierung der für ITER vorgesehenen supraleitfähigen Kabel.