Österreich nimmt aktiv am Fusionsforschungsprogramm des Joint European Torus (JET) in Culham (UK) teil. Gemeinsam mit Forschergruppen aus europäischen Ländern und darüber hinaus wird die Kernfusion als sichere, saubere und praktisch uneingeschränkt verfügbare Energiequelle für zukünftige Generationen untersucht.
Kernfusion ist die Energiequelle der Sonne und Sterne. Um Fusionsenergie auf der Erde zu erzeugen, muss ein Plasma (ein vollständig ionisiertes Gas) auf extrem hohe Temperaturen erhitzt werden. JET ist das derzeit weltweit größte Fusionsexperiment, mit dem Physiker und Ingenieure versuchen, Plasmen mit Temperaturen von Hunderten Millionen Grad zu erzeugen, einzuschließen und zu charakterisieren.
In der JET-Anlage, die mit dem zukünftigen Fusionsreaktorbrennstoff
Tritium betrieben werden kann, gelang es kurzzeitig, die bisher höchste in
Fusionsexperimenten erzielbare Leistung von 16 MW zu gewinnen. JET ist auch eine
ideale Versuchsanlage für den Test von Wandmaterialien und Heizungs- und
Diagnostikprototypen unter realistischen Bedingungen.
Das wissenschaftliche Programm bei JET wird, wie das gesamte
europäische Fusionsforschungsprogramm, von EFDA (European Fusion Development
Agreement) durchgeführt und koordiniert. Die Vertragspartnerinstitution im
Rahmen des europäischen Fusionforschungsprogramms ist die Österreichische
Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Alle österreichischen
Fusionsforschungsaktivitäten erfolgen im Rahmen der Assoziation EURATOM-ÖAW
unter der Leitung von Herrn Univ. Prof. Dr. Hannspeter Winter (Institut für
Allgemeine Physik, TU Wien).
Nähere Informationen zur österreichischen Beteiligung am europäischen
Fusionsforschungsprogramm finden Sie auf der Website http://www.oeaw.ac.at/euratom.
Aufgrund der ausgezeichneten wissenschaftlichen Ergebnisse
von JET und der Expertise durch die gemeinschaftliche Nutzung der JET-Anlage
ist die Europäische Union in der Lage, eine Schlüsselrolle
bei der Planung des größeren und in weltweiter Kooperation
finanzierten Experiments ITER zu spielen, das eine Fusionsleistung von
500-700 MW erzeugen soll. ITER wird auf dem von der Europäischen
Union vorgeschlagenen Standort in Cadarache (Südfrankreich) errichtet.
Österreichische
Experten nehmen am EFDA-JET Arbeitsprogramm in den Bereichen
Randschichtdiagnostik, Plasma-Wand-Wechselwirkung und
Plasmamodellierungen teil und leisten im Rahmen internationaler
Kooperationen anerkannte Beiträge zu Forschung und Entwicklung auf dem Weg zur
Erschließung der Kernfusion als Energiequelle der Zukunft.
Abbildungen: Mit freundlicher Genehmigung des Instituts für
Allgemeine Physik (TU Wien), EFDA Garching (Deutschland) und Plansee
(Reutte, Österreich). |
Im JET-Kontrollraum arbeiten Experten vieler Nationalitäten
Innenaufnahme des JET Torus, die rechte Bildhälfte zeigt das Plasma
Plasmaspektroskopie
mit schnellen Heliumstrahlen: ein spezielles diagnostisches Verfahren zur
Erstellung von Plasmadichte- und Temperaturprofilen, das an der TU Wien
in Zusammenarbeit mit EFDA-JET / Culham und IPP Garching entwickelt wird.
1997/98 entwickelte Böhler
Edelstahl AG (Kapfenberg) den niedrig-aktivierbaren ferritisch-martensitischen
Stahl EUROFER 97, ein europäisches Referenzstrukturmaterial
für Fusionsanlagen.
Limiter-Elemente für Tore Supra (CEA, Frankreich),
erzeugt von der Firma Plansee (Reutte, Österreich)
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